Schnell nach der Arbeit kochen und dann dem aktuellsten Lieblingsspiel widmen... Aufgeräumt wird später - na und?
Das einzige wonach ich noch verrückter bin als nach neuen Rezept- oder Bastelideen sind Videospiele. Ich liebe Videospiele seit ich ein Kind war, leider bin ich als Frau da noch immer in der Minderheit. Vielleicht ist das auch nur ein Mythos und es gibt viele wie mich da draußen und sie verstecken sich einfach nur gut... Als Frau in meinem Alter, ich werde bald 25, wird man gesellschaftlich an den Rand gedrängt, wenn man öffentlich zugibt, dass man Videospiele spielt.Sowohl im Arbeitsleben unter Kollegen als auch in der Familie wird man angeschaut als sei man ein Freak. "Was? In dem Alter noch? Ach du liebe Zeit bestimmt vernächlässig sie ihren Haushalt, also wenn ich auch noch Videospiele spielen würde, da hätte ich ja für garnichts mehr Zeit - ich bin ja so beschäftigt!"
Aber was ist eigentlich so verkehrt daran? Nichts. Viele Menschen können und wollen nicht verstehen, dass es bei Videospielen unter anderem daraum geht, seinen Geist auf Reisen zu schicken.
Nichts anderes tut doch der, der zum Fantasyroman oder jeder anderen Lektüre der Unterhaltungsart greift. Die Zeiten in denen Mütter damit prahlen wie viel Bücher ihre Kinder doch lesen oder Mütter die sich über am PC spielende Kinder beschweren sind hoffnungslos veraltet. Meiner Meinung nach bildet das Spielen sämtlicher Videospiele Kinder und Jugendliche und auch Erwachsene gleichermaßen. Ja auch uns Erwachsenen kann man noch etwas beibringen, z. B. machen uns Spiele wie Metro 2033 oder die Fall Out Serie nachdenklich. Beides Postapokalyptische Spiele die uns nur zu deutlich daran erinnern sollen wie vergänglich wir Menschen sind und wie wir den Planeten mit unserer Art zu leben zerstören. Anders als die vorherigen zwei zeigt die S.T.A.L.K.E.R-Serie was wir Menschen tatsächlich schon angerichtet haben, sie spielt nämlich in Chernobyl, wo sich 1986 eine Reaktorkatastrophe zugetragen hat. Aber Schluß mit dem düsteren Zeug, auch Reaktion und logisches Denken werden in ettlichen Videospielen gefordert. Mal ganz abgesehen von zahlreichen Spielen, bei denen man strategisch herrschen oder Heere führen muss.
Generation Super Nintendo - Jump'n Runs und Rollenspiele waren nicht alles...
Wer ungefähr meinen Jahrgang hat, der weiß, dass Spiele wie Lufia, Secret of Mana oder Zelda für den Super Ninendo einem schon damals alles abverlangt haben. Man musste viel knobeln und Rätsel lösen um weiter zu kommen. Ebenso gab es schon damals den Wirtschaftssimulator Sim City oder auch ein Harvest Moon. Früher waren mir diese Spiele teilweise zu kompliziert, weil sie eben ein gewissen Maß an Intelligenz erfordert haben. Aber ich hatte eine sehr aufgeschlossene Mutter, die sich selbst für Videospiele interessiert hat. Somit hat sicher einiges auf mich abgefäbrt. Ich kann mich an Nächte erinnern, in denen die Frau mir zu liebe mein Harvest Moon Feld aufgeräumt hat - und wer das Spiel kennt, der weißt wie nervig es war mit Hammer und Axt mindestens sechs mal auf riesige Steine oder Baumstümpfe zu hauen.
Ich bin ihr heute sehr dankbar dafür - natürlich nicht nur fürs Pflegen des Feldes - aber dafür, dass sie offen genug war, uns so eine Konsole damals zu kaufen und sie auch selbst zu nutzen. Ich behalte das in sehr guter Erinnerung und freue mich jedes mal wie verrückt, wenn ich in einem alten Spieleladen irgendwo Super Nintendo Module sehe.
"Oh Gott die gefählichen Egoshooter, schützt unsere Kinder!"
Ja, die Egoshooter... Ich bin nicht einmal alt genug um zu wissen, wie alles begonnen hat, aber meine Egoshootergeschichte beginnt mit Counter Strike 1.6. Ich hab dieses Spiel nächtelang gespielt. Damals gab es so viele Diskussionen um diese Art von Spiel, dass es sogar bis in unseren Deutschunterricht gelangt ist. Es wurde argumentiert was das Zeug hält. Und stellt euch vor, Klassenkameradinnen haben als Medium für ihre konservativen Eltern fungiert. Niemals ausprobiert, immer schlecht drüber geredet. Auch Leher, die diese Thema gewählt haben, wollten meistens garkeine Gegenargumentation hören. Nur unter Jungs gab es damals für mich Gleichgesinnte die meine Meinung teilten.Verschiedene Genres ausprobieren ist für mich das Wichtigste, es gibt das richtige für jede Stimmung
Heute habe ich einen wunderbaren Ehemann und eine schöne große Wohnung. Ach ja und nicht zu vergessen, eine Festanstellung im öffentlichen Dienst.Könnte ich irgend jemandem in meinem nährenen Umfeld erzählen, dass ich mit meinem Mann bis tief in die Nacht Battlefield Bad Company 2 spiele, bei etlichen Tassen Tee gemeinsam Herrscher in Age of Empires besiegt werden, und wir schon hunderte Stunden mit allen möglichen Point & Click Adventures verbracht haben, dann wäre ich ein freierer und glücklicherer Mensch.
Ich führe ein tolles und augeglichenes Leben in dem Videospiele nicht mehr als ein Hobby sind. Ein Hobby, dass die Gesellschaft endlich als solches anerkennen sollte. Am Spielen ist nichts verwerflich, es tut uns Menschen gut, es beflügelt unsere Fantasy und es lehrt uns auch mal in andere Richtungen zu denken.



